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deenfritptes

Ein Sommernachtstraum .......

Im November 2007 kündigte unser Vorsitzender vage an, dass man ein Angebot hätte, eine Reise nach Italien zu unternehmen. Nach und nach fanden sich schließlich 67 reisefreudige und neugierige Sänger, Angehörige und Freunde zusammen, um eine schöne Region Italiens zu besuchen. Die Wettervorschau im Internet sagte Gutes voraus als wir am 24.06. morgens um 08:00 Uhr mit zwei Bussen Richtung Süden starteten. Unsere beiden Busfahrer/-in, Nicole Steinforth und Alexander Fischer brachten uns mit genügend Pausen gegen 17:00 Uhr zum Hotel „Zum Storch“ in Schlüsselfeld, etwas südlich von Würzburg. Es war heiß, und es sollte die ganze Zeit über so bleiben ... Zeit genug um bei einem kühlen Blonden oder einem Glas Wein die Zeit bis zum gemeinsamen Abendessen zu überbrücken. Die Nacht war schnell vorüber, denn wir starteten um 07:30 Uhr zu den letzten 750 km bis Abano terme. Über Nürnberg, München, Innsbruck, Brenner, Meran und Verona trafen wir endlich um 18:30 Uhr im Hotel „Smeraldo terme“ ein. Zum Glück hatten in beiden Bussen die Klimaanlagen leidlich ihren Dienst getan, so dass wir keine Hitzeopfer oder ähnliches zu beklagen hatten.

Nach der Zimmerverteilung dann um 19:30 Uhr das erste Abendessen, worüber wir angenehm überrascht waren. Ein Salatbufett vorweg, dann eine Auswahl an verschiedenen Vorspeisen, drei verschiedene Hauptgerichte und das Dessert, alles inklusive einer Flasche Rotwein und zwei Flaschen Wasser pro vier Personen. Das fing ja gut an – und sollte sich sofort danach mit dem Halbfinale der EM gegen die Türkei fortsetzen. Noch besser sollte es werden, als am nächsten morgen die Termine für die Wellness-Anwendungen verteilt wurden; ein Körperpeeling mit Traubenkernen, eine Gesichtsmaske mit Traubenessenz sowie eine Ganzkörpermassage mit Traubenkernöl! Immer noch alles inklusive, ebenso wie das Thermalschwimmbad mit Innen- (wurde kaum benutzt) und Außenschwimmbecken in einer parkähnlichen Anlage.

Das Thermalwasser brachte zwar keine Abkühlung, es war wie im Schatten um die 35 º warm, aber es war wenigstens nass. Einige hatten schon ihre Anwendungen hinter sich, die anderen ließen es sich im und um das Schwimmbad gut gehen, in dem – ein ungewöhnlicher Anblick – viele duschhaubenbemützte Männlein und Weiblein, vielfach unterstützt von bunten Schwimmnudeln, trieben. Aber der Traum währte nicht lange, denn schon ging es auf zu neuen Taten, nämlich nach Padua, der zweitältesten Universitätsstadt Italiens. Auf der Fahrt dorthin erzählte uns die Reiseleiterin Marina etwas über die Geschichte der Region um die Euganeischen Hügel, wo schon die alten Römer die Heilkraft der Thermalbäder suchten. Aber bereits davor hatte Homer über die Veneter, die Ureinwohner, und die Thermalquellen berichtet. Fango, so hörten wir, ist nichts weiter als Schlamm aus nahegelegenen Seen, der dann in großen Becken über zwei Jahre lang mit dem Thermalwasser durchtränkt wird und in dieser Zeit daraus die Mineralstoffe aufnimmt, die die heilende Wirkung erzielen. Leider hat u.a.. auch die deutsche Gesundheitsreform mit Schuld daran, dass in den letzten Jahren die Badegäste immer weniger wurden. Mit diesem Vortrag erreichten wir Padua (ital. Padova), das ungefähr 210.000 Einwohner zählt und bereits zur Zeit der Trojanischen Kriege gegründet wurde.

In der Kürze der Zeit, abends stand ja „Nabucco“ auf dem Programm, konnte sie uns aber einen ausreichenden Überblick über die Geschichte, die Kultur und die Wirtschaft geben. Neben den vielen Bauern, die hauptsächlich Wein und Mais anbauen, ist Padua mit der 1222 gegründeten Universität ein Dienstleistungszentrum in der Region Venetien. Erwähnens- wert ist das Caffé Pedrocchi, das in seinem Grundriss einem Flügel ähnelt und mit verschiedenen Salons in unterschied- lichen Farben und Einrichtungen ein zeitgenössisches Denkmal darstellt. Direkt gegenüber ist die Universität bzw. umgekehrt ist es richtig, nämlich das Caffé Pedrocchi, „erst“ 1831 erbaut, liegt gegenüber der Universität, aus der gerade die frisch gebackenen Dottores kamen und denen auf Wandzeitungen mit Karikaturen und entsprechenden Texten gehuldigt wurde. Die Universität war im Mittelalter für seine Liberalität bekannt. Selbst Galileo Galilei konnte seinerzeit hier seinen revolutionären Studien nachgehen. Weiter ging es an einem Haus vorbei an dem weiland Dante an seiner Göttlichen Komödie schrieb. Dabei überquerten wir eine Straße auf der die Straßenbahn, man staune, auf nur einer Schiene fährt. Eine technische Novität, die vielleicht auch in Hamburg eine Chance hätte. Dann verließen wir Italien, um die Basilika des heiligen Antonius zu besuchen, die auf vatikanischem Gebiet innerhalb der Stadt liegt. Das hatte früher für Gauner den Vorteil, dass hier die Polizei Paduas kein Zugriffsrecht hatte. Das war sicher nicht im Sinne des heiligen Antonius, der in Lissabon geboren wurde, und sich als Mönch immer für die Armen und Benachteiligten eingesetzt hatte. Über den Prato de la Valle, nach dem Roten Platz in Moskau der zweitgrößte Platz im Herzen einer Stadt, ging es zum Bus, der uns zur Arena von Verona bringen sollte. Das klappte auch recht gut und wir konnten in der Nähe der Arena aussteigen. Die Nicht-Opernbesucher hatten Gelegenheit, sich die übrigen Sehenswürdigkeiten Veronas bei immer noch glühender Hitze anzuschauen.

Um kurz nach 19:15 Uhr öffneten sich die schmiedeeisernen Tore und das Publikum der nicht nummerierten oberen Ränge stürmte das Bauwerk. Auch wir gehörten dazu und saßen kurz darauf auf den heißen, antiken Stufen, die schon so viel gesehen haben müssen In der Zeit bis zum Beginn durchkämmten die Verkäufer von Eis, Fanta, Cola, Sprite, Bier, Wein, Sitzkissen, CD’s und Librettos lautstark die Reihen. Erst zwei Stunden später, um 21:15 Uhr, begann das Drama um Nabucco, Abigail, Fenena und Ismael, geleitet von einem trotz der großen Hitze sehr lebhaft dirigierenden Daniel Oren. Eine spartanische Bühnenkulisse brachte Solisten und Chor sehr gut zur Geltung. Und als dann im dritten Akt der Gefan-genenchor erklang, gab es nach dessen Ende donnernden Applaus, der bereits anhub als die letzten Takte noch nicht verklungen waren. Zum Dank wiederholte das Orchester das soeben gespielte sofort – und siehe da, das Publikum verharrte still bis auch der letzte Ton sich in der lauen Luft aufgelöst hatte. Ein Hörgenuss! Nach dem furiosen Ende, es war bereits 00:30 Uhr, strebten alle dem Bus zu, der uns nach einem langen Tag zu einem kleinen Mitternachtsimbiss, besser sollte man Morgenimbiss sagen, ins Hotel brachte. Es war ein Erlebnis der besonderen Art, die Atmosphäre der Arena in Verona zu erleben, und alle hatten die lange Zeit in der Arena gut überstanden.  

Für die ganz Harten stand ja zwei Abende später noch „Aida“ auf dem Spielplan!

Am nächsten Morgen wurde zunächst einmal ausgeschlafen, wer dran war, ging zu den Anwendungen, die anderen machten es sich wieder am Pool bequem. Wer Lust hatte, war ab mittags zu einem Ausflug an den Gardasee eingeladen, wo in Sirmione Station gemacht wurde und man Gelegenheit hatte, mit dem Boot die Halbinsel zu umrunden oder es sich auf andere Art und Weise gut gehen zu lassen. Vor dem Abendessen konnte es sich der PCH natürlich nicht nehmen lassen, den Mitgereisten und den Hotelgästen in der großzügigen Hotelhalle ein Ständchen zu bringen. Mit dem „Gefangenenchor“, „Mala moja“ und „Aus der Traube ...“ erfreuten wir ein immer größeres Publikum und wurden mit dem verdienten Applaus zum Essen entlassen. Die Zurückgekehrten und die Ausgeruhten hatten nach dem Abendessen Gelegenheit, bei Live-Musik das Tanzbein zu schwingen, was nach einem zögerlichen Start bei einer teilweise gut gefüllten Tanzfläche mit Foxtrott, Walzer und Co. nachher doch ganz gut gelang. Und so klang dieser Tag bei Wein und Bier geruhsam aus.

Am Sonnabend, den 28.06.08, kam ab 16:30 Uhr die Bewährungsprobe. Wer sich am Vormittag nicht ausgeruht hatte, hatte selber Schuld, denn es ging zu „Aida“ nach Verona. Ein großer Teil kannte ja schon die Bedingungen, nur dieses Mal ein wenig gesteigert. Das begann mit dem Warten vor den geschlossenen Toren in glühender Hitze. Als diese sich schließlich öffneten, drangen die Massen auf die oberen Ränge. „Die da unten“ auf den nummerierten Plätzen mussten sich ja nicht schon zwei Stunden vorher die beste Sicht sichern, aber wir. War es bei „Nabucco“ noch eine gut gefüllte Arena, so war es an diesem Abend brechend voll. Sowohl auf den billigen als auch auf den teuersten Plätzen war kein Platz mehr frei.

Allein schon die aufgebauten Kulissen ließen auf ein großes Spektakel schließen. Die kleine Ägypterin, bei „Nabucco“ hatte sie einen Frack an, schwang gekonnt vor Beginn den Gong und wurde jedes Mal mit Applaus bedacht.

Und dann begann das Drama um Aida und Ramades, deren Liebe von Amneris nicht gut geheißen wurde. In dieser Inszenierung war mehr Wert auf die großartigen Bauten gelegt, während bei „Nabucco“ mehr das gesangliche und orchestrale im Vordergrund stand. Aber es war schon ein grandioser Anblick als z.B. beim Triumphmarsch die Helden auf vier Pferden einritten, gefolgt von Kriegern, bejubelt vom Volk, umrahmt von Fackelträgern und Posaunenchören. Das war der Besuch es wert. Doch dann kam zum Ende hin die Tragödie, Ramades sollte eingemauert werden, aber Aida wollte ihn nicht allein sterben lassen, sondern ihre Liebe bis in den Tod hinein mit ihm teilen. Aber dieser dramatische Teil zog sich mit einer Umbaupause über fast eine dreiviertel Stunde hin, so dass leider mit den letzten Tönen bei vielen auch die Geduld ein Ende hatte – es war inzwischen 01:45 Uhr – und die Protagonisten leider nicht mehr den verdienten Applaus bekamen, weil fast alle ganz schnell den Ausgängen zustrebten. Wir fanden uns dann alle am vom Vorsitzenden vorher bestimmten Treffpunkt ein und marschierten zu unserem Busparkplatz, den wir erstaunlicherweise recht zielsicher fanden. Als wir wir schließlich gegen 04:00 Uhr das Hotel erreichten, hatte, glaube ich, kaum einer noch Appetit auf den Morgenimbiss, sondern suchte nur noch nach seiner Schlafstätte. Denn was war die Parole für den nächsten Morgen? Der erste Bus fährt pünktlich um 09:15 Uhr!

Wohin? Zum Bahnhof von Montegretto (= kranker Hügel) von wo es um 10:16 Uhr nach Venedig ging. Pünktlich kamen wir kurz nach 11:00 Uhr am Canale Grande an, wo uns bereits ein schmuckes Boot erwartete. Mit dem fuhren wir außen herum, also nicht über den Canale Grande, zum Markusplatz, wo wir in der Nähe der Seufzerbrücke ausstiegen. Nächster Treffpunkt war pünktlich um 13:00 Uhr antreten zum Stadtrundgang. Alle waren pünktlich, nur der Stadtführer war überpünktlich, denn der hatte bereits um 11:30 Uhr auf uns vor dem Campanile gewartet. Was entschied in diesem nie vorhergesehenen Fall unser Vorsitzender? Macht was ihr wollt, aber seid pünktlich um 16:00 Uhr wieder am Bootsanleger.

Das haben, glaube ich, alle gern gehört und somit hatten alle individuell die Möglichkeit, diese Stadt der tausend Facetten für sich zu entdecken. Ob auf der überfüllten Rialto-Brücke, in der Stille der San Marco-Basilika oder den kleinen Gassen und Plätzen links und rechts der frequentierten Hauptwege. Auf der Rückfahrt zur Stazione hörte man nur positive Stimmen und niemand war ernsthaft böse darüber, dass die Stadtführung ausgefallen war. Pünktlich verließ der Zug Venedig und wir fieberten (?) dem Endspiel gegen Spanien entgegen. Doch das Fieber legte sich bald, das Ergebnis ist allen bekannt.

Das war’s, eine wunderschöne Woche, beglückt von einem Wettergott, der uns gnädiger nicht hätte gestimmt sein können, ging seinem Ende zu. Um 07:30 Uhr nach einem kurzen und schnellen Frühstück hieß es wieder Platz nehmen in Bus „blau“ oder „rot“ und ab ging’s Richtung Schlüsselfeld. Unsere Fahrer hatten sich über die Verkehrslage informiert und bogen vor Verona auf eine wunderschöne Nebenstrecke quer durch die Berge ab. Ohne Staus und Probleme kamen wir dadurch im Hotel an, wo sich nach dem Abendessen die gestaute Sangesfreude Bahn brach und mit den Solisten Jochen Harms und einem zur Hochform auflaufenden „Johnny“ Jonsson Gesang und Kazuo Kanemaki am Pianoforte eine gelungene Shanty-Vorstellung abgeliefert wurde. Das hat allen viel Spaß gemacht, den Sängern und den Zuhörern; denn wann erklingen in Schlüsselfeld schon mal Seemannslieder? Auch der letzte Teil der Reise, wo wir Saeko und Kazuo in Würzburg absetzten, da die beiden aus Termingründen lieber den Rest mit der Bahn zurücklegen wollten, brachte keine Probleme, so dass als Fazit ein Dank an alle die bleibt, die diese Reise geplant, begleitet und organisiert haben. Das Ergebnis war beeindruckend und wird uns allen noch lange in Erinnerung bleiben.

Und wie heißt es so schön: Nach der Reise ist vor der Reise ...... wohin?

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