Gastkonzert in der Musikhalle
100 Jahre Polizeichor Hamburg, 2001
Konzert mit dem Polizeiorchester
Online-Chorprobe per Zoom, 2021
Der Polizeichor Hamburg in der Laeiszhalle

Die Chronik wurde 2001 von Claudia und Peter Klein erarbeitet und seither von Gerhard Dammann überarbeitet und ergänzt.

Die Gründung, 1901

Aus der militärischen Vergangenheit, insbesondere aus der preußischen Armee, wissen wir um das Singen im geschlossenen Verband — bis heute in vielen Armeen der Welt üblich, auch bei Polizeieinheiten. Da sich die Hamburger Schutzleute vielfach aus dem Militär rekrutierten, brauchte es wohl nur die Initialzündung eines oder einiger weniger Kollegen.

Am 10. November 1901 gründete die Schutzmannschaft das „Quartett Teutonia von 1901″. Sangesfreund Albert Riss gab die Anregung und blieb wenige Monate Vorsitzender; dem Gründungskollegium sollen 12 Schutzleute angehört haben. Sieben Jahre später trat der Chor dem Deutschen Sängerbund bei. Nach verschiedenen Namensänderungen erhielt der Verein am 24. November 1976 seinen bis heute gültigen Namen: Polizeichor Hamburg von 1901 e. V. Nach heutigem Kenntnisstand ist das „Quartett Teutonia“ der erstgegründete Chor innerhalb der deutschen Polizei.

Reisen und Geselligkeit spielten von Beginn an eine große Rolle: Bereits 1903 unternahm das Quartett seinen ersten Familienausflug. 1914 nahm der Chor am Sängerbundesfest in Eckernförde teil — im selben Jahr, in dem der Erste Weltkrieg begann. Der Chor beschloss, das Singen und Reisen auch während des Krieges weitestgehend aufrechtzuerhalten; als Polizisten waren die meisten Sänger vom Kriegsdienst befreit, sodass der Verein während des Krieges Hamburgs einziger singfähiger Männerchor blieb und in Lazaretten, Kirchen und für Hinterbliebene sang.

Zwischen den Kriegen

Nach dem Ersten Weltkrieg verstärkte sich das Quartett Teutonia um viele zurückkehrende Kollegen; zum 25. Chorjubiläum 1926 sangen 96 Männer. Das Reisen ging munter weiter: Die Deutschen Sängerbundesfeste nahmen ungeahnte Ausmaße an — Hannover 1924, Wien 1928, Frankfurt am Main 1932, Breslau 1937. In der Inflationszeit betrugen die monatlichen Vereinsbeiträge im August 1923 nicht weniger als 15 Millionen Reichsmark.

Sehr engagiert beteiligte sich das Quartett an der Neuordnung des Deutschen Sängerbundes und hob am 17. Juni 1928 in Bad Bramstedt den neuen Einheitsbund „Sängerbund Nordmark e. V.“ mit aus der Taufe.

Nationalsozialismus und Krieg

Beim Sängerbundesfest 1937 in Breslau mischten sich bereits politische Nuancen in Verbandsangelegenheiten — dennoch weigerte sich der Deutsche Sängerbund trotz Drängens der nationalsozialistischen Machthaber, die Buchstaben „NS“ vor seinen Namen zu setzen. In der Gesangsstunde am 4. April 1939 erklärte ein NSDAP-Hauptmann den Vorstand des Quartetts Teutonia dennoch für aufgelöst und setzte seine Mitglieder kommissarisch ein.

Zehn Tage nach Kriegsbeginn trafen sich die Sänger bereits wieder zur Chorprobe und beschlossen, die Übungsabende auch während des Krieges fortzuführen. Am 3. Mai 1941 fand die offizielle Feier des Chorjubiläums statt — die letzte dokumentierte Eintragung im Vereinsjournal, bevor weitere Vereinsberichte per Anordnung der Gauleitung untersagt wurden.

Der Zweite Weltkrieg riss viele Sangesfreunde aus der Vereinsgemeinschaft. Bei den Luftangriffen im Juli 1943 wurde das Vereinsheim zerstört — historische Dokumente, umfangreiches Notenmaterial, die Vereinsfahne und der Konzertflügel gingen verloren.

Wiederaufbau

Trotz der Verluste ließen sich die Teutonen nicht entmutigen: 1948 sangen bereits wieder 67 Mann, 1951 mehr als 100. Der Frauenverein des Quartetts sparte unentdeckt jeden Pfennig zusammen, um dem Chor ein Klavier zu schenken; 1990 schenkte der Kaufmann Richard Wagner dem Chor aus Wertschätzung einen neuen Konzertflügel. Am 7. Februar 1954 weihte der Chor, finanziert durch Spenden der eigenen Mitglieder, ein neues Vereinsbanner in der Polizei-Sporthalle Altona.

Zum 75. Jubiläum 1976 zählte der Chor 88 Sänger, 1981 waren es 108. Seinen personellen Höhepunkt erreichte der Polizeichor 1989 gegen Ende der Amtszeit von Chorleiter Walter Heyer mit 127 Sängern. Bereits 1956 warnte der damalige Vorsitzende Willi Kampf in einem Brief an den Polizeipräsidenten vor fehlendem jungem Nachwuchs — ein Thema, das den Chor bis zuletzt begleiten sollte.

Das 21. Jahrhundert

Im Oktober 1990 gewann der Chor Kazuo Kanemaki als Chorleiter, seit Januar 2012 unterstützt durch Masanori Hosaka als 2. Chorleiter. Fast zwanzig Jahre lang war der Chor Veranstalter des beliebten „Polizeiballs“ im Congress Centrum Hamburg. Im Jubiläumsjahr 2001 richtete er den 72. Bundesdelegiertentag des Sängerbundes der Deutschen Polizei aus, mit einem Festkonzert zum 100-jährigen Bestehen in der Hauptkirche St. Michaelis — „Garantiert kein Gefangenenchor“, kommentierte DIE WELT damals augenzwinkernd die Qualität des Auftritts.

Festkonzert zum 100-jährigen Bestehen, 2001
100 Jahre Polizeichor Hamburg, Festkonzert 2001

Auch persönliche Anerkennung blieb nicht aus: 2015 lud Bundespräsident Joachim Gauck Chorleiter Kazuo Kanemaki zum Neujahrsempfang nach Schloss Bellevue ein — eine Ehre, die Kanemaki als „Krönung meiner langjährigen Arbeit“ bezeichnete.

Zu den festen Terminen zählen seither drei Großkonzerte in der Laeiszhalle — ein Frühlingskonzert und zwei Weihnachtskonzerte — mit bis zu 4.500 Gästen jährlich, dazu Open-Air-Auftritte in „Planten un Blomen“ und bis zu sechs Vereidigungsfeiern im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses pro Jahr. Am 23. Oktober 2019 sang der Chor gemeinsam mit dem Seemanns-Chor Hamburg und dem Jugend-Sinfonieorchester Ahrensburg im Großen Saal der Elbphilharmonie — ein unvergessliches Konzert.

Seit dem 11. März 2020 lag die Chorarbeit wegen der Coronakrise zeitweise still. Proben in den Wallanlagen und per Zoom hielten die Gemeinschaft zusammen, bis im September 2021 wieder ein Open-Air-Konzert und eine Konzertreise nach Lettland und Litauen möglich wurden. 2022 folgte ein großes Konzert zum 125-jährigen Bestehen des „Vereins der Hamburger“, 2023 unter anderem das 200-jährige Jubiläum der Liedertafel und Konzerte mit Gastchören aus den Niederlanden.

Online-Chorprobe per Zoom während der Coronakrise, 2021
Online-Chorprobe per Zoom, Mai 2021

Am 9. Mai 2026 feierte der Chor sein 125-jähriges Bestehen mit einem Jubiläums- und Frühlingskonzert in der Laeiszhalle, gemeinsam mit dem Polizeiorchester Hamburg und dem Polizeichor Fulda als Gastchor. Schirmherr des Chores ist der amtierende Polizeipräsident Falk Schnabel. Zum Jahresende begleitet der Chor letztmalig die Vereidigungen junger Polizistinnen und Polizisten, bevor er sich nach 125 Jahren zum 31. Dezember 2026 aus der Hamburger Musikszene verabschiedet.

Vorsitzende seit 1901

Albert Riss1901–1902
Louis Nickel1902–1937
Willi Kampf1937–1958
Heinrich Grath1958–1962
Josef May1962–1972
Heinrich Wulf1972–1983
Peter Klein1983–1995
Bernd Hoppmann1996–1999
Harald Lange1999–2001
Jochen Raabe2001–2007
Peter Hinsch2007–2015
Gerhard Dammannseit 2015

Schirmherren

Unvollständig dokumentiert.

Polizeimajor Geestefeldzur Zeit der Chorgründung

Bruno GeorgesPolizeipräsident, 1948–1958

Walter BuhlPolizeipräsident, 1958–1964

Dr. Jürgen FrenzelPolizeipräsident, 1964–1968

Dr. Günter ReddingPolizeipräsident, 1969–1983

Dieter Heering1984–1987

Dirk ReimersPolizeipräsident und Staatsrat, 1987–1994

Arved F. SemerakPolizeipräsident, 1995–1996

Ernst UhrlauPolizeipräsident, 1997–1998

Dr. Justus WoydtPolizeipräsident, 1999–2001

Udo Nagel2002–2004

Werner Jantosch2004–2012

Wolfgang Kopitzsch2012–2014

Ralf Martin Meyer2014–2023

Falk Schnabelseit 2023

Der Polizeichor Hamburg beim Weihnachtskonzert 2024
Konzertreise nach Shanghai
Konzert in der Laeiszhalle, 2018
Kazuo Kanemaki dirigiert
Einbürgerungsfeier im Hamburger Rathaus
Der Polizeichor Hamburg beim Weihnachtskonzert 2024